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Urlaub 2019 und wieder die Frage: Wohin?

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Eine lange Zeit haben wir uns mit dem Gedanken getragen, der griechischen Insel Korfu einen Besuch abzustatten. Aus dem Münsterland nach Venedig und von dort aus mit der Fähre nach Korfu. Über das Festland dann in Richtung Albanien, Montenegro und Kroatien – immer an der Küste entlang, wieder gen Heimat. Irgendwie konnten wir uns aber nicht mit dem Reiseplan der Auto- bzw. der Motorradfähre anfreunden: Die Abfahrtszeiten von Venedig aus waren einfach für uns nicht passend.

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Hin- und hergerissen haben wir dann wintertags die Entscheidung getroffen, Osteuropa einen größeren und längeren Besuch abzustatten.

So ging es dann im Juli von Ennigerloh aus in Richtung Thüringer Wald und vor dort über den Erzgebirgskamm in Richtung Riesengebirge. Die zweite Nacht verbrachten wir nach einem kleinen Abstecher auf den Fichtelberg in Oberwiesenthal in einem schönen Hotel in der nahe gelegenen Innenstadt von Kadan, Kadan ist eine schöne, sehr gepflegte böhmische Kleinstadt mit einer beeindruckend guten und preiswerten Gastronomie. Am Folgetag haben wir den Motorradhöhlen von Pekelne Doly (nahe der Stadt ´Ceska Lipa´) einen Besuch abgestattet. Mit einem Zwischenstopp auf dem ´Jeschken´, dem beeindruckenden Hausberg der Stadt Liberec trudelten wir dann bei Regenwetter in Karpacz ein. Wenngleich Karpacz im Herzen des Riesengebirges liegt, haben wir Rübezahl gleichwohl doch nicht gesehen.

Nach einer geruhsamen Nacht in einem *****Hotel in Karpacz sind wir dann in zwei Etappen, nahezu bei Dauerregen, in die Beskiden gefahren. Die Beskiden gehören mit zu den Nordkarpaten und befindet sich im Dreiländereck von Polen, der Ukraine und der Slowakei. Landschaftlich wunderschön, touristisch anscheinend gut erschlossen, allerdings mit einer wenig empfehlenswerten Hotelinfrastruktur ausgestattet: Unser Hotel lässt sich am besten mit „etwas unter dem Durchschnittl“ umschreiben. Lediglich die Auswahl auf der ohnehin schon kurzen Speisekarte war noch schlechter und wurde auch nicht besser durch das stereotype „ … haben wir nicht“.

Nun denn, zumindest der Wettergott muss ein Herz für die Beskiden haben. Erstmals auf unserer Tour hatten wir nach fünf Tagen einen strahlend blauen Himmel - ein erhabenes Gefühl.

Auf dem Weg nach MedzilaborceAuf dem Weg nach Medzilaborce

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Der Weg durch die Beskiden in Richtung Slowakei führt nahezu zwangsläufig durch eine kleine Ortschaft mit dem Namen Medzilaborce.

Dort befindet sich das größte Andy-Warhol-Museum außerhalb der USA, direkt an der Hauptstraße dieser 1.500-Seelen-Gemeinde. Wir sind zwar keine Kunstkenner, aber die zwei Stunden im Museum haben sich wirklich sehr gelohnt.

Über weitgehend gute Straßen durch die Slowakei und Ungarn ging es dann hinein in das für uns „gelobte Land“: Rumänien. Schlagmals wurde die Straße schlecht und jedes Vorurteil schien sich zu bestätigen: „So ist halt Rumänien“.

Zu unserer Freude traf das Attribut "schlecht" nur auf die ersten rund 30 Kilometer zu. In Rumänien hat sich nämlich einiges getan an der Straßeninfrastruktur, so dass man zusammenfassend durchaus von einer insgesamt befriedigenden Situation sprechen kann. Ungefährlich ist das Motorradfahren in Rumänien deswegen aber noch lange nicht: Hinter jeder Kurve lauert das Abenteuer, mitunter sogar die Gefahr. Als besonders kritisch bewerte ich den Umstand, dass insbesondere auf den größeren Überlandstraßen zeitgleich unterschiedlichste Verkehrsteilnehmer unterwegs sind. Es herrscht ein buntes Nebeneinander von Schwerlastern, kleineren LKW´s, PKW´s, Fahrradfahren, Fußgängern und Pferdefuhrwerken.

Schafherden auf der Straße, Kühe ebenfalls, Hunde allenthalben, auf schwindelerregenden Karpatenpässen auch mal ein Dutzend Esel auf der Piste, mitunter auch ein Braunbär oder jede Menge Schlamm hinter der nächsten Kurve, vielleicht sogar fehlender Asphalt: So ist Rumänien ... love it or hate it.

Das Motto lautet folglich: Immer schön vorsichtig, langsam reisen und nicht rasen - aufpassen!

Dies haben wir während unserer gesamten Tour befolgt und sind gut und unfallfrei von Nord nach Süd durchs Land gekommen.

landestypisches Fortbewegungsmittel in Rumänien ...landestypisches Fortbewegungsmittel in Rumänien ...

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Dererste Abend in Rumänien hielt dann noch eine kleine Überraschung für uns bereit: Mit uns befand sich eine 12-köpfige "Reisegesellschaft" im Hotel, mit der wir beim Zubettgehen, die Uhr zeigte 22:30 Uhr, kurz ins Gespäch kamen."Good night", "noapte buna" ... halt so, wie man sich auf Reisen zur Nacht verabschiedet.

Auf die beiläufige Frage, was denn das Ziel der Reisegruppe sei, antwortete man, dass man zu einer externen Konferenz der Bürgermeister eines ostungarischen Landkreises in Rumänien tagen würde.

Nun ja: Der Abend ging dann bei Bier, Wein und höchst anregenden berufsspezifischen und weniger fachlichen Gesprächen noch ein wenig länger ...

Ölaustritt am Kardanausgang ...Ölaustritt am Kardanausgang ...

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Am Morgen nach dem denkwürdigen (langen) Abend und der ersten Nacht in Rumänien erwartete und dann einerseits ein blauer Himmel, andererseits aber auch ein undichter Kardanantrieb. Shit: An der Hinterradachse tropfte leicht das Öl, vermutlich ein defekter Simmerring? Wir sahen unseren Urlaub durch die Finger gleiten, vor allem deshalb, weil wir alle Hotels vorgebucht hatten und uns einen größeren zeitlichen Verzug nicht leisten konnten.

Wir mussten feststellen, dass halt alles Vor- und Nachteile birgt: Vorgebuchte Hotels warten Abends mitunter lange auf den Check-In, man muss Spätnachmittags nicht anfangen, nach einer geeigneten Unterkunft Ausschau zu halten, man ist in der Tagesplanung extrem frei.

Nachteil: Siehe oben!

Ein Defekt an Mensch oder Material kann einem den ganzen Urlaub zerschlagen. Insoweit mag man nachvollziehen, wie es uns ging. Kurz und gut: Der "Arsch ging uns auf Grundeis ..."

Sehr geholfen haben uns Freunde in Deutschland, die für uns eine geeignete Motorradwerkstatt gesucht haben. Die Auswahl war vermutlich sehr begrenzt, so dass wir zur Kenntns nehmen mussten, dass der nächste Service-Point 140 Kilometer entfernt war.

Glück im Unglück: Die Werkstatt lag in einem Vorort von Klausenburg und damit ohnehin auf unserer Reiseroute. Puh ...

Unterwegs zur Werkstatt haben wir hin und wieder angehalten und leicht bibbernd nach dem Ölstand im Kardanantrieb geschaut. Interessanterweise wurde der Antrieb von Kilometer zu Kilometer trockener, es hörte auf zu tropfen, es hörte auf zu schwitzen.

Gleichwohl sind wir – allein wegen des beruhigenden Gefühls – in die Werkstatt gefahren, wo man sich in rührender Weise um uns und die Maschine gekümmert hat.

Die Diagnose lautete dann: Zu viel Öl im Antriebsstrang, heiß geworden und das Auslassventil saß – vermulich wegen des Sauwetters in Polen – zu. Der Überdruck musste dann entweichen und dies ging über den Simmerring. Keine Ahnung, ob das wirklich stimmte, aber der Kardan ist seitdem trocken und bietet keinen Anlass zur Sorge oder Kritik (Ergänzung 2020: Selbst bis heute und nach vielen weiteren tausend Kilometern hat es keinerlei Probleme mehr mit dem Kardan gegeben).

Rein aus Gewohnheit prüfen wir die Dichtigkeit allerdings seitdem regelmäßig.

Auf dem Weg nach Alba IuliaAuf dem Weg nach Alba Iulia

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Nach dem Besuch in der Werkstatt ging es dann ab in den Busch: Wir haben im Rahmen der Urlaubsvorbereitungen von einem besonderen Wald in der Nähe von Klausenburg erfahren, und zwar dem angeblich gruseligsten Wald Europas. Hier sollen Kinder verschwunden sein, ganze Schafherden haben sich im Nichts aufgelöst. Außerirdische wurden gesichtet, seltsame Lichtererscheinungen im Wald und am Himmel zeugen angeblich von allerlei paranormaler Dinge.

Alles Gründe für uns, diesen Wald, dem Hoia Baciu, ein Besuch abzustatten.

Das Gruseligste an diesem Wald, der ungefähr 15 km vor den Toren von Klausenburg zu finden ist, war die Anfahrt. Es ging über Stock und Stein und die Verkehrswege waren alles andere als gut, zumal es kurz vorher noch geregnet hatte. Schlammige Pisten brachten mich angesichts der vollbeladenen rund 400 Kilogramm schweren Triumph leicht ins Schwitzen.

Im Wald angekommen fanden wir alles vor, was ein schöner Wald zu bieten hat, jedoch keinerlei Gruseleffekt. Sogar der Handyempfang, der in fast jedem Gruselfilm gestört ist, funktionierte tadellos. Wir sind ein wenig spazieren gegangen, aber trotz intensiver Bemühungen kam kein Gänsehautfeeling auf.

Nicht enttäuscht, sondern im Wissen, den gruseligsten Ort Europas besucht (und überlebt) zu haben, ging es dann weiter in Richtung Alba Iulia. 

Wir haben nicht den direkten Weg gewählt, sondern haben einen Umweg durch ein Naturschutzgebiet eingeschlagen. Wir waren fasziniert von den atemberaubenden Felsformationen, an denen uns unser Weg entlang führte. Bei der Gestaltung dieses Fleckchens Erde hatte Gott vermutlich einen besonders guten Tag erwischt ...

In Alba Iulia haben wir einen Hotel bezogen, welches man durchaus als empfehlenswert bezeichnen kann. Das direkte Umfeld allerdings sah aus wie ausgebombt.

Nach einem kleinen Stadtbummel und einer recht entspannten Nacht in Alba Iulia sind wir dann entgegen unserer ursprünglichen Planung nicht durch den sogenannten "Krautwinkel", d.h. über Medias, Biertan und Agneta, sondern auf direktem Wege nach Sibiu gefahren, um bei strahlend  blauem Himmel auf der Piața Mare unser Mittagsmenü einzunehmen. Eine sehr belastende vermeintliche Mobbing-Problematik an einer Ennigerloher Schule, die uns während der gesamten Urlaubsreise begleitet und Nerven gekostet hat, hat uns dann gezeigt, dass die kürzere Variante mit dem Stopp in Sibiu / Hermannstadt die bessere Wahl war: Dienstliche Dinge mussten zeitlich sehr aufwändig geklärt werden ...

Sibiu: Blick auf die evangelische StadtkircheSibiu: Blick auf die evangelische Stadtkirche

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Sibiu, oder wie die Deutschen sagen "Hermannstadt", ist "unsere Stadt". Ich war schon mehr als 20 Mal dort, meine Lebensgefährtin und Reisepartnerin Denise mittlerweile auch schon drei Mal. Auf unserer diesjährigen Tour war Sibiu allerdings nur für einen Zwischenstopp vorgesehen - wir wollten noch über den Transfagarasan bis zum Vidrau-Stausee, wo unser Hotel auf uns wartete.

Nach einem kurzen Snack und einigen wenig erheiternden Telefonaten mit dem Büro, der Presse und dem Lokalfunk (Stichwort "Mobbing an der Schule ...") ging es dann mit schweren und traurigen Gedanken ins Gebirge: Die Südkarpaten warteten auf uns mit all ihrer teilweise bizarren Schönheit.

Kurz hinter Avrig / Freck geht es dann im Kreisverkehr rechts ab auf die Transfogarascher Hochstraße, die nach einem Voting in England "der" schönste Pass der Welt sein soll. Stimmt nicht, aber zu den Schönsten zählt er zweifelsohne.

Sanft schraubt sich das Asphaltband in schwindelerregende Höhen und wenn man die Baumgrenze passiert hat, setzt die Natur noch einmal neue Ausrufezeichen. Ich war alles in allem bestimmt schon ein Duzend Mal auf dem Pass - Sommer- wie Wintertags -, aber es ist immer wieder ein Erlebnis. Nach einem kurzen Halt am Lacul Balea (der Balea-See) stützten wir uns dann auf der Südseite in die Tiefe.

Kurz vor dem Hotel, es mochten noch vielleicht fünf Kilometer gewesen sein, erschallte ein aufgeregtes "Hallo, schau mal da vorn am Straßenrand: Ein großer Hund ... pass auf!" in meinem Helmlautsprecher: Denise, aufmerksam wie immer, warnte mich vor einer aufziehenden Gefahr. Gut so. Aufpassen war also angesagt, Geschwindigkeit drosseln und im Schneckentempo weiter den steilen Pass hinab. Ein Wendemanöver auf der schmalen Straße war unmöglich - dafür war die Triumph Tiger einfach zu schwer beladen. Als wir dann dem "Hund" näher kamen, zeigte sich vor uns Braunbär, der langsam und unaufgeregt über die Straße trottete. Wir - völlig geflasht - kamen kurz danach im Hotel an und erzählten aufgeregt unsere Geschichte vom Bären. Dort schaute man sich eher gelangweilt an und fragte in einem ebenso gelangweilten Ton, wie viele wir denn gesehen hätten. "Ja, einer war´s", so unsere Antwort. "Da sollten wir mal locker bleiben, hier gibt es rund 6.000 von diesen Tieren", lautete die Antwort. Wie wir später in einem Magazin haben lesen können, haben sich die Braunbären dank des Natur- und Jagdschutzes mittlerweile zu einer echten Plage entwickelt.

Nicht verwunderlich deshalb, dass zumindest in dieser Region der Karpaten der Wandertouris weitgehend zum Erliegen gekommen ist.

Der Hinweis zur Burg ...Der Hinweis zur Burg ...

Der Hinweis, warum der Aufgang nicht möglich war ...Der Hinweis, warum der Aufgang nicht möglich war ...

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Unseren Ruhetag verbrachten wir am Vidrau See, mit einem kurzen Abstecher ins Nähe gelegene Curtea de Argeş. Dort haben wir das Mausoleum des ehemaligen rumänischen Königs deutscher Abstammung, Carol I. (Karl, aus Sigmaringen), und seiner Frau Elisabetha (Elisabeth, aus Neuwied), besichtigt.

Die Kathedrale (Mănăstirea Curtea de Argeș, Catedrala Curtea de Argeș) ist atemberaubend und besticht durch eine einzigartige Gestaltung und jede Menge Prunk. Sie ist eines der berühmtesten Gebäude in Rumänien und steht auf den Grundmauern eines Klosters. Das Bauwerk ähnelt einem sehr großen und kunstvollen Mausoleum und wurde im byzantinischen Stil mit maurischen Arabesken erbaut.

Auf dem Rückweg ins Hotel wollten wir unbedingt die Burg Poenari besichtigen, deren Zugang unmittelbar vom Transfagarasan aus möglich ist. Diese Burganlage ist insoweit von besonderem Interesse, als dass die real existierende Figur des"Dracula" (Vlad Tepeş) hier über einige Jahre gelebt und sein Domizil in den unwegsamen Karpaten ihm Schutz vor seinen Feinden geboten hat.

Zu unserer großen Überraschung mussten wir jedoch erkennen, dass der Zugang zur Burg gesperrt war: Bärengefahr!

Unverrichteter Dinge ging es dann zurück ins Hotel, wo wir es uns im Wellnessbereich den Rest des Tages haben gut gehen lassen. Interessant an diesem Hotel am See ist der Umstand, dass Freunde von uns aus Ennigerloh zwei Wochen vor uns in den Karpaten waren und eben genau in diesem Hotel zufällig ebenfalls zu Gast waren.

Zu den Hotels in Rumänien ist im Übrigen anzumerken, dass diese einen Vergleich zu Deutschland nicht scheuen müssen: Sie sind teilweise sogar von höherer Qualität zu günstigeren Preisen. Im Regelfall sind die Zimmer groß, klimatisiert, modern möbliert und das Essen ist reichhaltig, schmackhaft und preiswert. 

Die Kathedrale von Curtea de Arges ...Die Kathedrale von Curtea de Arges ...

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Der heutige Tag stand ganz unter dem Vorzeichen der Überquerung der Karpaten auf der Transalpina. Der Transfagarasan gilt ja bekanntermaßen in England als der schönste Pass der Welt, bei mir gilt die Transalpina als die spektakulärste Überquerung der Karpaten.

Während sich der Transfagarasan, eingeschlagen in eine wundervolle Felslandschaft, mit harmonischen Kurven und moderaten Steigungen in Richtung Himmel schraubt, ist die Transalpina wilder, fordernder und weist mit Steigerungsraten von über 20 % immer wieder darauf hin, dass der ungeübte Motorradfahrer vielleicht besser einen anderen Pass wählen sollte.

Kurz und gut: die Transalpina wurde auch in diesem Jahr ihrem Anspruch gerecht. Es war eine insgesamt bemerkenswerte Überquerung, die auch dank einer Horde Esel mitten auf der Straße zu einem unvergesslichen Erlebnis geworden ist.

Der Wettergott drohte uns zwar mit überaus dunklen Wolken am Firmament, muss aber offensichtlich ein Herz für Motorradfahrer haben, denn abgesehen von ein paar Tröpfchen lebt der Himmel dicht.

Den Abend verbrachten wir dann in einem kleinen Dorf im Niemandsland, namens Appa Neagra, was soviel bedeutet wie Schwarzwasser. Wenngleich der Ort diesen Status kaum verdiente, so war das Hotel dennoch gut und sauber, jederzeit empfehlenswert.  

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Nach einer angenehmen Nacht in einem wundervoll klimatisierten, gut ausgestatteten Hotelzimmer, ging es dann weiter in Richtung Băile Herculane, oder wie es auf deutsch heißt: Herkulesbad. Wir waren überwältigt von der landschaftlichen Schönheit auf dem Weg nach Herkulesbad: Atemberaubende Felsmassive, wundervolle Täler, ein strahlend blauer Himmel und anspruchsvolle, aber gut ausgebaute Straßen haben unsere Reise zu einem nachhaltigen Erlebnis werden lassen.

Schon zur Zeit der Römer war Herkulesbad ein wichtiger Kurort, der nach dem griechisch-römischen Gott Herakles benannt war. Aus dieser Epoche stammen zahlreiche archäologische Funde.

Nachem die Römer abgezogen waren, sank die Bedeutung des Kurortes. Es ist jedoch nachgewiesen, dass die Heilquellen auch danach durchgehend genutzt wurden.

Im Mittelalter und während der türkischen Herrschaft verlor Herkulesbad zunehmend an Bedeutung. Erst mit der Inbesitznahme des Banats durch Österreich-Ungarn zu Beginn des 18. Jahrhundert blühte Herkulesbad erneut auf. 1736 wurden neue Bäder angelegt und in der Folge strömten aus Österreich-Ungarn viele Gäste in die Stadt.

Herkulesbad selbst war sicherlich vor einigen hundert Jahren eine Reise wert. Kaiserin Sissi und ihr Gemahl haben diesen Ort. Ganz bestimmt nicht ohne Grund mehrfach zur Sommerfrische aufgesucht. 

Heute verströmt der Ort nur noch den Glanz vergangener Tage: völlig herunter gewirtschaftete Kurpaläste, die aber noch erahnen lassen, welch Glanz von diesem Kurbad der K&K-Monarchie früher ausgegangen sein muss. 

Nach einem kurzen Aufenthalt ging es dann weiter in Richtung Donau.

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Die Donau als Grenzfluss zwischen Rumänien und Serbien stellte für uns den südlichsten Punkt unserer Reise dar. Die Donau (rum: Dunărea) ist der bedeutendste Fluss Rumäniens. Mehrere tausend Kilometer fließt er durch das Land und stellt einen der wichtigsten Verkehrswege dar. Die Donau bildet zudem den größten Teil der rumänischen Südgrenze nach Serbien und Bulgarien ab.

Neben der Überquerung der Karpaten sollte eben dieser Grenzverlauf zwischen Rumänien und Serbien einer der landschaftlichen Höhepunkte unserer Reise werden - und unsere Planung ist voll aufgegangen: Die Donau hielt, was wir uns versprochen hatte! Ein strahlend blauer Himmel, Temperaturen jenseits der 30 Grad und ein wundervoller Kurvenswing immer am Ufer entlang ... Bikerherz, was willst Du mehr.

Als uns der Hunger übermannte, haben wir an einem kleinen Haus am Wegesrand angehalten, weil auf einem Schild zu erahnen war, dass es dort Speis und Trank geben könnte. Wir hatte nur noch wenig Bargeld mit dabei ... es war so um die 20 Lei, also ca. 5 Euro. Mit diesem rudimentären Restbestand an Barvermögen "bewaffnet" haben wir dann freundlich nachgefragt, was man uns hierfür zubereiten könnte. Bekommen haben wir reichlich zu trinken und einen riesengroßen, frisch zubereiteten Salat. Dass ich dann nach dem Essen die Hängematte nutzen und einen tollen Blick auf die träge dahinfließende Donau genießen durfte, machten den Aufenthalt zu etwas ganz besonderem.

Unsere Reise führte uns dann weiter durch das Banat in Richtung Timişoara. Dort verbrachten wir die Nacht in einem weniger schönen Hotel direkt an der viel befahrenen Hauptstraße. 

Eine rumänische Hochzeitsfeier in dem schlecht schallisolierten Hotel eröffnete uns völlig neue Einblicke in die rumänische Folklore. 

Am nächsten Tag ging es dann weiter in Richtung Ungarn und damit zum Balaton.

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Der Rest der Reise ist schnell erzählt: Wir verbrachten eine Nacht am Plattensee in einer kleinen Pension in einem sehr kleinen Zimmer. Vorteil: Die Pension lag fußläufig am Balaton, der vermeintlich größten Badewanne Europas. Die Wassertiefe beträgt an den tiefsten Stellen nur wenige Meter, im ganz überwiegenden Teil ist das Wasser nur Hüfttief. Dies führt dazu, dass sich der Plattensee in den Sommermonaten sehr schnell sehr aufheizt und das Gefühl des Bades in einer Badewanne vermittelt. Hat aber Spaß gemacht ...

Tags drauf führte uns unsere geplante Route nach Wien, wo wir zwei wunderschöne Tage in einem Hotel in der Innenstadt verbracht haben. Denise und ich waren das erste Mal in dieser bezaubernden Metropole und haben Wien danach zu einer unserer Lieblingsstädte erklärt.

In weiteren zwei Etappen folgten wir dann bei brütender Hitze unserer Route über Wien und Amberg nach Hause ... wo wir nach übe 5.000 Kilometern erschöpft, aber glücklich eintrudelten.

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